FarbenWelten Baggersee Teil 3

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Wer kennt nicht diese Frage an uns Taucher: Was sieht man denn da unten? Diese Frage möchten wir hier genaustens beantworten.
Wir werden eine Serie posten: FarbenWelten Baggersee! Die Sektionsgruppe des Tauchsportverein Mittelbaden e.V. (TSVMB, Unterwasserfotografie (UWF) wird hier einige Fotos präsentieren wie farbenreich es im Baggersee sein kann, wenn man nur genau hinschaut…

Teil 3

Muschel

Muscheln in ihrer unterschiedlichen Art und Farbe…

Teil 2

Gemeiner Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus)

Gemeiner Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus)
Der Gemeine Sonnenbarsch ist ein ungewöhnlich bunt geärbter und zugegebenerweise hübsch anzuschauener Neubürger in unseren Gewässern. Er ist auffällig hochrückig, mit großem Kopf und leicht oberständigem Mund.

Ein auffälliges Merkmal ist die „Ohrenklappe“, eine Verlängerung der Kiemendeckel, welche dunkel ist und einen rötlich-orangen Punkt aufweist. Der Körper weisst normalerweise eine bläulich-olivbraune Marmorierung auf. Die Männchen zeigen zur Laichzeit ein charakteristisches farbenprächtiges Hochzeitskleid mit leuchtend bläulichen Farben. Weibchen und Jungtiere sind blasser gefärbt.

Sonnenbarsche werden bis zu 32 cm lang und können 8 Jahre alt werden.

Verbreitung
Der Gemeine Sonnenbarsch ist kein heimischer Fisch. Ursprünglich kommt er aus Nordamerika und wurde bei uns Ende des 19. Jahrhunderts als Aqurienfisch eingeschleppt. Auch heute noch wird er als Fisch für Gartenteiche angeboten.

In Deutschland kann er mittlerweile in vielen Regionen nachgewiesen werden, vorzugsweise im wärmeren Südwesten und rund um Ballungsräume (Städte). Noch ist die Verbreitung lückig.
Ökologie
Der Gemeine Sonnenbarsch lebt in einer Vielzahl unterschiedlicher Süßwasserlebensräume.

Er bevorzugt lichtdurchflutete Stillgewässer mit hohem Pflanzenwuchs, wo er aufgrund seines hohen Körperbaus gut zwischen den Pflanzenbeständen verweilen kann. Bezüglich der Nahrung ist er nicht sehr wählerisch, vorwiegend kleine Wirbellose, aber auch kleine Fische und pflanzliche Nahrung werden aufgenommen.

Sonnenbarsche laichen von April bis Juni und legen die Eier in ufernah angelegten Mulden ab, welche von den Männchen vorher angelegt wurden. Nach der Eiablage bewacht das männliche Tier das Gelege und fächelt den Eiern und frisch geschlüpften Larven frisches Wasser zu – die Art betreibt also deutliche Brutpflege. Erst nach dem Aufzehren der Dottersäcke leben die Jungfische selbständig.
Gefährdung
Der Gemeine Sonnenbarsch ist ein eingeschleppter Fisch in unseren Gewässern – ein Neozoon. Wie bei den meisten Neozoen wird auch die Anwesenheitz des Sonnenbarsches kritisch gesehen – er ist auf der Schwarzen Liste für Deutschland als „potenziell invasiv“ geführt.

Ursprünglich illegal ausgesetzt, pflanzen sich Sonnenbarsche mittlerweile in vielen Gewässern erfolgreich fort.

Leider ist es mit den gängigen Methoden nicht mehr möglich, den Gemeinen Sonnenbarsch aus den Gewässern zu entfernen. Es bleibt daher nur noch abzuwarten, ob sich die Bestände weiter ausbreiten und möglicherweise zu Schäden (s.u.) in der heimischen Tier- und Pflanzenwelt führen.
Lebensraum
Eine Vielzahl von Stillgewässern, sowie in langsam strömenden Fließgewässern. Auch Ästuare mit erhöhten Salzgehalten werden besiedelt.

https://www.deutschlands-natur.de/tierarten/suesswasserfische/gemeiner-sonnenbarsch/

Teil 1

Süßwassermoostierchen Cristatella mucedo

Die Süßwassermoostierchen (Cristatella mucedo) bilden eine Klasse der Moostierchen (Ectoprocta oder Bryozoa), die im Gegensatz zu allen anderen Klassen dieses Tierstammes ausschließlich im Süßwasser (limnisch) vorkommt. Diese in der Systematik als Phylactolaemata bezeichnete Klasse umfasst nur eine einzige Ordnung, die Plumatellida, mit fünf Familien. Die Phylactolaemata werden bisweilen auch als Lophopoda bezeichnet.

https://tauchsportvereinmittelbaden.wordpress.com/moostierchen-ectoprocta/

Hier auch ein Auszug aus dem E-Mailverkehr mit Herrn Scholz, vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt (SF)

…bei dieser Art ist besonders, dass sie sich selbstständig zu bewegen vermag wenn auch langsam, und dass die raupenförmigen, bis 8cm langen Kolonien sich wie Solitärorganismen teilen.

Süßwasserformen der Klasse Phylactolaemata bilden Dauerstadien, Statoblasten, um den Winter zu überbrücken. Die Dinger sehen ein wenig aus wie winzige Muscheln oder vielmehr Muschelkrebse (Ostracoden) und sind von einer soliden Chitinhülle geschützt. So vertragen sie auch zwischenzeitliches Austrocken. Sie bleiben häufig im Gefieder von Enten und Teichhühnern hängen und werden über das FEdervieh sehr leicht und über große Entfernungen verschleppt.

Mit Sicherheit sind in Ihrem Baggersee noch weitere Arten vorhanden. Aber die meisten erkennt man nicht als Bryozoen. Plumatella fungosa etwa sieht aus wie ein Mageninhalt, den ein Rottweiler auf den Teller erbrochen hat. Der Batzen fällt erst dann auf, wenn er halbmetergroß geworden ist. Diese Viecherl kleben häufig an Schilfstengeln und lieben Atomreaktoren- Das Kühlwasser ist schön angewärmt, und haben schon diverse US FLugzeugträger in ihrer Basis in Norfolk nahe Richmond lahmgelegt, indem sie den Kühlwasserkreislauf blockierten.

Andere sind ein schleimiger Faden und Hauch von „Nichts“ und werden leicht übersehen; man findet sie aber auf Treibholz. Einige Arten sind heute vom Aussterben bedroht.

Generell brauchen Süßwasserbryozoen wie ihre viel zahlreicheren Vettern im Meer zwei eigentlich unvereinbare Faktoren;

1) Klares, sauberes, oligotrophes Wasser, weil sie sonst rasch von Mikrobenmatten und Biofilmen überwuchert werden

2) Viel Nahrung, Phytoplankton, da sie äußerst gefräßig sind und das Verdauungssystem notorisch ineffizient (Heute weiss man, dass sie manche Ciliaten oder diatomeen lebend wieder ausscheiden und nur die Bakterienfilme, die ihnen anhaften, verdauen-

Jedenfalls spricht das Vorkommen für die Wasserqualität!

….und eine Kopie des allerersten Absatzes dieses großartigen Werks, denn nie sind Bryozoen besser im Sinne einer Ode charakterisiert worden als hier. Sie können das Werk übrigens frei im Netz bei Archive.org herunterladen:

https://archive.org/details/monographoffresh00allm

Herzliche Grüsse und guten Jagderfolg auf der Suche nach vielleicht weiteren Arten?

Joachim Scholz